• hrammler

12.-15.6.2019 - Kapa Island - Port Maurelle - Taunga - Neiafu



12.6.2019 - Entgegen der heutigen Wetterprognose ist es am Morgen trocken. Wir wollen heute ein Stück weiter fahren. Port Maurelle auf Kapa Island, eine gute Fahrtstunde entfernt, heißt das Ziel. Gegen Mittag heben wir in Neiafu den Anker und legen ab. Die Fahrt führt aus dem Fjord hinaus. Hier liegen viele kleine, unbewohnte Inseln. Auch Kapa Island ist unbewohnt und Port Maurelle eigentlich kein Hafen sondern eine Bucht mit Sandstrand.


Port Maurelle

Heidi sieht während der Fahrt mehrere Vogelschwärme knapp über dem Wasser, die scheinbar fischen. Sie will unsere Bordangel ins Wasser hängen und ihr Glück versuchen. Erwin holt die Angel von unter Deck und steckt sie in die Öffnung am Heck des Bootes. Wir lassen cirka 70-80 Meter Angelschnur ins Wasser und schleppen den Köder hinter uns her. Wir werfen unser verschimmeltes Brot ins Wasser, um Fische anzulocken. Als wir kurz vor Port Maurelle sind, wird es Zeit die Angel wieder einzuholen. Leider ohne Fisch am Ende der Schnur.

Als wir in der Bucht ankommen liegen bereits 14 Yachten vor Anker bzw an den Bojen, von denen es vier gibt. Wir finden aber trotzdem einen schönen Ankerplatz und wollen hier über Nacht bleiben. Kurz nachdem wir den Anker fallen gelassen haben, nähert sich uns ein kleines Motorboot. Der Mann im Boot kassiert 15 TOP für das Ankern. Egal wie lange wir bleiben wollen. Eine Boje kostet 20 TOP. Ebenfalls unabhängig von der Aufenthaltsdauer. Schwimmen und Schnorcheln ohne Übernachtung kosten nichts. Wir verbringen den Tag mit schnorcheln, schwimmen und relaxen. Es ist sonnig und angenehm warm. Am Boot gibt es heute nichts zu reparieren. Alles scheint zu funktionieren. Ist das die Ruhe vor dem sprichwörtlichen Sturm?

Heidi will die ufernahen Bereiche mit Taucherbrille und Schnorchel erkunden. Ich begleite sie mit dem Beiboot und rudere neben ihr her. Der weitere Abend und die Nacht verlaufen ruhig.


13.6.2019 - Der prognostizierte Regen ist immer noch nicht da. Es zeigen sich sogar blaue Flecken am Wolkenhimmel und es wird heller im Laufe des Vormittags. Der Wind hat aber leicht zugelegt.

Wir wollen uns die Swallows Cave ansehen, die sich cirka 1,5 Seemeilen aus der Bucht hinaus an der Küste befindet, und die man nur mit Boot erreichen kann. Wir entscheiden uns dafür, mit dem Beiboot dort hin zu fahren, da Wind und Wellen nicht so stark sind. Bei stärkerem Gegenwind kann das aber unangenehm werden, weil man dann gegen die Wellen fahren muss und dabei das Wasser ins Boot spritzt.

Wir fahren die Küste entlang und um das Kap herum, das wir von der Crocodile aus sehen konnten.



Nach kurzer Fahrt erreichen wir den Höhleneingang und fahren in die Höhle.



Das tiefe Wasser schimmert blau durch das Licht, das von außen in die Höhle dringt.

Es ist gerade Ebbe und die Höhlenwände sind im Überflutungsbereich rot und violett gefärbt.





Die Höhlenwände sind zum Teil grün und steigen hoch empor wie die Halle einer gotischen Kathedrale. Von der Haupthöhle zweigt eine kleinere Höhle, wie das Seitenschifft einer Kirche ab.





Heidi hat ihre Schnorchelausrüstung mit und will ins Wasser gehen. Wir suchen zuvor aber eine Möglichkeit, von der aus sie wieder ins Boot steigen kann. Unter Wasser steht vor dem Höhleneingang ein riesiger Schwarm mit tausenden Fischen, abgegrenzt wie ein fester, geometrischer Körper. Das Wasser ist tiefblau und von außen schimmert das Licht durch den Eingang.




Wir fahren wieder aus der Höhle heraus und erreichen eine weitere, viel kleinere, in die wir ebenfalls hinein fahren.







Dann motoren wir wieder zurück zur Crocodile und legen gegen 14 Uhr ab. Wir wollen zur Insel Taunga.

Während der Fahrt verschlechtert sich das Wetter und es beginnt stark zu regnen. Da sich die Windrichtung ändert, beschließt Erwin, das Tagesziel zu verändern und nach Pangaimotu Süd zu fahren und dort zu ankern, da es dort besser windgeschützt ist.

Als wir in die Bucht fahren geht ein Wolkenbruch nieder und Ingrid und Erwin müssen unter widrigen Bedingungen ankern. Der erste Ankerplatz liegt auf 4 m Wassertiefe. Als wir ankerfest sind, sehen wir, dass wir zu nahe am Ufer liegen. Wir müssen weiter weg und neuerlich ankern. Alles bei strömendem Regen. Der Anker fällt das zweite mal bei 6 Metern. Doch als wir mit dem Manöver fertig sind, bemerken wir, dass der Anker nicht hält und wir abtreiben. Wir haben plötzlich wieder 20 Meter Wasser unter uns. Also das Ganze noch einmal. Letztlich liegen wir bei 15 Metern Wassertiefe fest vor Anker und können uns unserer nassen Kleidung entledigen. Aber nicht nur wir sind klatschnass. Der Regen wurde unter das Vordach gepeitscht und hat die Polstermöbel und den Fußboden erwischt.

Als wir uns alle wieder einigermaßen gesammelt und zurecht gerichtet haben, machen sich Heidi und ich daran ein Abendessen zuzubereiten.


14.6.2019 - Das Wetter zeigt sich heute wieder von seiner freundlichen Seite. Heidi und ich schwimmen an Land. Wir wollen auf die andere Seite der Landzunge schauen, die vor uns liegt. Vom Boot aus hat man durch eine kleine Scharte, einen vielversprechenden Blick. Am Ufer angekommen ist die Aussicht aber enttäuschend. Der Strand ist unwirtlich und der Ausblick durchschnittlich. Aber das Schwimmen war schön und erfrischend. Erwin und Ingrid kommen mit dem Beiboot nach. Heidi und ich schwimmen wieder zurück.



Vor der Abfahrt richten wir uns noch den Genacker her. Wir ziehen ihn hoch, lassen ihn auswehen, rollen ihn wieder ein und lassen ihn am Vorstag.

Vor dem Ablegen gibt es dann noch ein Problem mit der Bordelektronik. Das Endgerät des Kartenplotters am Steuerstand funktioniert anscheinend nicht mehr. Bereits am Morgen hat Erwin festgestellt, dass alle Geräte lediglich die vereinfachte Kartendarstellung anzeigen. Dieses Problem kann er aber beheben. Die Sache mit dem Gerät am Steuerstand ist anscheinend tiefgreifender und lässt sich nicht so einfach in den Griff bekommen.

Wir legen ab, und müssen uns vorerst damit begnügen, die Wassertiefe am Endgerät beim Backbordsteuerstand abzulesen. Beim Ankern muss daher Ingrid am steuerbordseitigen Steuerstand stehen und das Boot lenken, da sich hier die Gashebel befinden und einer von uns muss ihr die Wassertiefen ansagen. Das ist aber leider noch nicht alles! Auch der Autopilot scheint seinen Geist aufzugeben. Die Fehlermeldungen am Display lassen nichts erfreuliches vermuten. Auf der Windanzeige fallen auch die Werte aus.

Die Überfahrt von Pangaimotu Süd nach Taunga dauert nicht lange. Nach einer guten halben Stunde Fahrt, lassen wir vor Taunga den Anker fallen und stellen den Motor ab.



Heidi geht sofort ins Wasser um die Schnorchelgründe zu erforschen.




Von Norden rollt eine schwarze Regenfront an. Sie bleibt aber harmlos und bringt keinen Regen.



Hinter uns im Osten sehen wir meilenweit entfernt die Schaumkronen eines Riffs und hören es bis zu uns her donnern. Das einzige Geräusch, das wir hier hören können.

Wir lassen das Beiboot zu Wasser. Heidi, Ingrid und Erwin wollen an den Strand schwimmen. Wir packen Schnorchel, Flossen, Tauchermasken und Schuhe in das Boot. Ich rudere an den Strand, dann können wir von dort aus entweder weiterfahren oder gemeinsam zurück zur Crocodile. Schon nach kurzer Strecke kann ich bis auf den Grund sehen. Er ist hauptsächlich sandig. Heidi sagt, dass sie viele Seesterne sehen kann.



In Unfernähe stehen dann einige Korallenstöcke im Wasser.




Der Sandstrand ist schön. Leider aber kann man gar nicht so weit am Ende der Welt sein, als dass nicht auch bereits hier Plasitkmüll angeschwemmt würde.



Wir fahren weiter, um den Strand weiter westlich zu erkunden.

Hier finden wir schöne Muscheln. Am Ende des Strandes läuft die Insel in einer Landzuge aus. Der Strand wird von zwei Seiten umspült und läuft in einer längeren Sandbank ins Meer hinein.

Da uns die Gelsen bedrohlich attackieren, steigen wir hurtig ins Boot und fahren zur Crocodile zurück.

Zum Abendessen gibt es auch heute, so wie gestern, Käsetoasts mit gebratenen Tomaten, Zwiebeln und Paprika. Da unsere Brotvorräte damit erschöpft sind, backen wir am Abend noch 4 Baguettes für das Frühstück.


Das Wetter hat gehalten und gegen Abend hin ist es fast wolkenlos.



Wir genießen einen herrlichen Sonnenuntergang und als es dunkel wird, steht der zunehmende Mond am Himmel und erhellt uns die Nacht. Die See ist spiegelglatt und kein Windhauch ist zu spüren.






15.6.2019 - Über Nacht ist wieder etwas Wind aufgekommen und bringt eine Strömung aus Osten.

Die Bordelektronik spielt verrückt. Gleich nach dem Aufstehen hat sich Erwin daran gemacht alle Kontakte zu überprüfen und nachzustellen. Für kurze Zeit kommt Hoffnung auf, als der Bildschirm auf der Steuerbordseite wieder zum Leben erwacht. Die Freude währt nur kurz. Nach wenigen Minuten ist er wieder weg. Die Verbindung zum Autopiloten ist seit gestern auch verloren und die Windanzeige funktioniert unzuverlässig und zeigt bisweilen keine Werte an. Ingrid und Erwin sind verzweifelt. So können sie die Überfahrt nach Fiji nicht wagen. Das wäre viel zu gefährlich und auch zu anstregend. Erwin gibt nicht auf und arbeitet weiter. Wir vermuten irgendwo einen Wackelkontakt im System. Aber auch ein Wassereintritt im steuerbordseitigen Plotter ist nicht auszuschließen.

Da Heidi und ich nichts tun können, fahren wir mit dem Beiboot zum Weststrand, um Fotos zu machen und uns noch einmal ein bisschen umzusehen.


Der Strand ist einfach traumhaft schön. Wir fahren in die Mitte des Strandes, machen das Boot fest und gehen zur Sandbank.

Dort sitzt ein Schwarm schwarzer Vögel. Wir gehen langsam heran, um sie nicht aufzuscheuchen. Irgendwann sind wir dann doch zu nahe und sie fliegen auf, ziehen ein paar Kreise und landen an anderer Stelle wieder.




Am anderen Ende finden wir im Sand einen gestrandeten Fisch. Wir denken er ist tot, aber Heidi sieht, wie er ganz schwach noch das Maul langsam öffnet und schließt. Sie holt sich zwei Blätter vom Waldsaum am Strand und trägt ihn ins Wasser.



Ganz schwach beginnt er sofort wieder zu schwimmen, hat aber eine leichte Seitenlage und Mühe sich zu orientieren. Wir beobachten ihn eine Zeit lang und gehen dann weiter bis ans Ende des Strandes. Auf dem Rückweg schauen wir noch einmal nach ihm. Er schwimmt immer noch an der selben Stelle im Kreis.



Eine Seeschlange kommt näher, interessiert sich aber weiter nicht für unseren Fisch. Da wir sonst nichts für ihn tun können, gehen wir zurück zum Beiboot und fahren noch zum kleinen Strand, an dem wir gestern zuerst waren.





Heidi will noch ein paar von diesen Muscheln mit den schwarzen Flecken suchen, die aussehen als hätte sie ein Designer aus dem Jugendstil oder dem Art Deco entworfen. Vier kann sie, zusätzlich zu den 18, die wir gestern schon gefunden haben, noch hinzufügen.





Dann bewegen wir uns langsam wieder zurück zur Crocodile. Heidi schnorchelnd und ich rudernd.

Erwin hat das Problem mit der Bordelektronik immer noch nicht lösen können. Wir entschließen uns daher, nach Neiafu zurück zu fahren, um dort Hilfe zu bekommen. Die Aussichten in diesem Winkel der Erde einen Spezialisten zu finden, der sich bei Garmingeräten und bei Yachtelektronik auskennt, sind jedoch gering. Aber die Hoffnung stirbt immer zuletzt.

Ohne funktionierenden Autopiloten machen wir uns per Handsteuerung auf in Richtung Neiafu. Die Fahrtstrecke ist überschaubar. Wir orientieren uns am Track, den das GPS bei der Herfahrt aufgezeichnet hat. Nach gut zwei Stunden Fahrt, ankern wir wieder vor Neiafu im Hafen. Wir machen uns gleich auf den Weg in die Stadt. Es ist Samstag und bereits nach 14 Uhr. Die Läden und Cafes schließen bald. Erwin und Ingrid gehen ohne Umweg ins Cafe Tropicana, wo sich immer viele Yachties aufhalten, in der Hoffnung dort Informationen zu bekommen. Das Cafe ist gerade am Schließen und es sind keine Gäste mehr da.

Heidi und ich kaufen noch Lebensmittel. Gemeinsam gehen wir dann Richtung Chandlery, einem Laden mit Yachtzubehör der eine kleine Auswahl an Ersatzteilen vorrätig hat. Nicht dass wir die Hoffnung hätten, hier die passenden Ersatzteile zu bekommen, aber vielleicht kennen die Angestellten ja einen Yachtelektroniker oder sonst einen Spezialisten für unser Problem. Bei den vielen Yachten die hier vor Anker liegen, ist das gar nicht so unwahrscheinlich. Der Shop hat aber Samstag und Sonntag geschlossen.

Wir gehen unverrichteter Dinge in die Pizzeria zum Abendessen und müssen das Ganze wahrscheinlich auf Montag verschieben, da hier am Sonntag so gut wie gar nichts geht.

Erwin will es morgen am Funkkanal 26 mit dem Cruisersnet versuchen. Da gibt es um 8:30 Uhr einen Gedankenaustausch und Informationen. Vielleicht hat hier jemand eine Idee.

Ingrid, Erwin und Heidi wollen morgen in die Kirche gehen. Da soll ganz grandios gesungen werden. Ja und wenn nicht, dann hilft das vielleicht bei unserem Elektronikproblem.


0 Ansichten

© 2023 by NOMAD ON THE ROAD. Proudly created with Wix.com

  • b-facebook
  • Twitter Round
  • Instagram Black Round